GAP Analyse ISO 9001:2015

Ich freue mich, dass mein Beitrag vom TÜV Rheinland kommentiert wurde.

Hier finden nun:

  • Meinen Ursprungsbeitrag
  • Die Gegendarstellung vom TÜV Rheinland
  • Meine Meinung dazu

WutMein Ursprungsbeitrag

Ich habe mal gelernt, dass Zertifizierungsgesellschaften nicht Ihre Kunden beraten darf und dass Berater Ihre Kunden nicht zertifizieren dürfen.

Nun bietet der TÜV Rheinland auf seiner Website eine GAP-Analyse an: „In Form eines Audits beleuchtet ein TÜV Rheinland Experte Ihr Unternehmen. Auf Basis von Fragen aus verschiedenen Handlungsfeldern wird ein erster Eindruck darüber gewonnen, inwieweit Ihr Managementsystem die grundlegenden Anforderungen der DIN EN ISO 9001:2015 erfüllt. Die Ergebnisse der GAP-Analyse teilt Ihnen unser Experte in einem Abschlussgespräch mit.“

Wenn das mal keine Beratungsleistung darstellt. Das ist mehr, als ein Voraudit!

Was wohl die DAkkS dazu sagt?

Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn Zertifizierungsgesellschaften Informationsveranstaltungen oder Schulungen zu den Anforderungen der ISO 9001 anbieten. Eine persönliche Betreuung durch einen „TÜV Rheinland Experten“ beim Kunden geht jedoch zu weit!


Gegendarstellung vom TÜV Rheinland:

Sehr geehrter Herr Joseph,

mit Interesse haben wir Ihren QM-Blog-Beitrag „GAP Analyse ISO 9001:2015“ gelesen. Es freut uns, dass Sie sich im Rahmen Ihrer Tätigkeiten mit unseren Leistungen zur ISO 9001:2015 auseinandersetzen und diese kritisch hinterfragen. Wir stellen uns dem gerne und sind für konstruktive Anmerkungen aus der Praxis immer offen!

Allerdings ist uns aufgefallen, dass Sie im Rahmen Ihrer Recherche die von uns angebotene GAP-Analyse zur ISO 9001:2015 als Beratungsleistung deklarieren. Diese Darstellung ist nicht korrekt. Im Gegenteil. Die GAP-Analyse ist gemäß dem International Accreditation Forum, IAF ID 9:2015 eindeutig erwünscht und gewollt: „… an impact analysis/gap assessment is strongly recommended …“ (IAF ID 9:2015, Seite 6 ; Link: http://www.iaf.nu/upFiles/IAFID9Transition9001PublicationVersion.pdf ).

Gerne hätten wir Ihren Beitrag kommentiert, allerdings haben Sie die Kommentarfunktion in Ihrem Blog ausgeschaltet. Daher bitten wir Sie, die oben genannten Fakten zu berücksichtigen und Ihren Beitrag entsprechend anzupassen.

Bei Fragen stehe ich Ihnen natürlich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,
David Hachenberg

Online Marketing und Social Media
TÜV Rheinland Cert GmbH


Meine persönlichen Bedenken sind nicht ausgeräumt:

Im vollen Text des verlinkten Dokumentes heißt es vollständig:

„For any organisation the degree of change necessary will be dependent upon the maturity and effectiveness of the current management system, organisational structure and practices, therefore an impact analysis/gap assessment is strongly recommended in order to identify realistic resource and time implications.“

Ja, Unternehmen sollen schauen, ob Lücken zu den Anforderungen zu erkennen sind. Allerdings ist dies nach wie vor eine Beratungsleistung. Hier steht, nicht, dass die Zertifizierungsgesellschaften dies tun sollten.

Die Empfehlungen für Zertifizierungsgesellschaften lauten:

Certification Bodies (CBs) are recommended to:

  1. Train their auditors and verify the results to ensure the relevant level of competence is demonstrated. 
  2. Communicate regularly with national standards bodies.
  3. Communicate regularly with ABs (Accreditation Bodies)
  4. Communicate with other CBs to co-ordinate information.
  5. Communicate with existing clients and share guidance on the transition process and arrangements for transition.
  6. Plan the timing of audit and certification activities for the revised standard.
  7. Consider the stated transition period and current certification period.
  8. Plan the timing of certification decisions for upgrading certification documents.
  9. Encourage current users of ISO 9001:2008 to implement ISO 9001:2015 at an early stage, taking into account any changes that may occur during the DIS stage.
  10. Encourage new users to implement ISO 9001:2015.
  11. Arrange audit schedules for existing client organizations.“

Bei Punkt 5 geht es lediglich um den Zertifizierungsprozess und Absprachen für den Wechsel auf die 9001:2015.

Ich danke Herrn Hachenberg für seinen Beitrag, auch wenn ich diese Darstellung anders bewerte! Übrigens ist der TÜV Rheinland nicht die einzige Zertifizierungsstelle, die eine solche (Beratungs-) Dienstleistung anbietet.

Letztlich sind die Organisationen für Ihr Managementsystem verantwortlich und müssen für sich entscheiden, wer bei der Begleitung zur Umstellung auf die ISO 9001:2015 der kompetenteste Partner ist.

Stephan Joseph
Berater | Trainer | Mediator