Die Suche nach dem Einfachen

Zum Suchwort „Management“ liefert Amazon 84.315 Bücher, davon 1.633 Neuheiten (das bedeutet, sie sind erst seit 3 Monaten auf dem Markt). Setzt man den Filter auf „Business & Karriere – Management“ verbleiben immerhin noch 33.592 Bücher. Mit der Standardsortierung „Beste Ergebnisse“ finden wir bereits an zweiter Stelle den Titel „Management für Dummies. Mitarbeiter, Teams und Unternehmen gekonnt führen“, was sich anscheinend auf 366 Seiten erlernen lässt. Welcher Manager fühlt sich bei diesem Titel nicht gleich angesprochen?

Spaß bei Seite (und nichts gegen Bücher der „Dummy“-Reihe). Zu kaum einem anderen Beruf gibt es solch mannigfaltige Meinungen wie zum Beruf des Managers. In vielen Büchern und Schulungen werden zwei Dinge versucht:

  1. Dem Manager werden Werkzeuge zur Unternehmenslenkung an die Hand gegeben.
  2. Der Umgang mit Menschen wird gelehrt.

In beiden Themen steckt das Übel im Detail, wie ich hier kurz skizzieren möchte.

Werkzeuge zur Unternehmenslenkung

Der Gedanke ist verlockend. Ich muss lediglich eine Methode (gegebenenfalls bestehend aus der Kombination mehrere Untermethoden) erlernen, damit meine Mitarbeiter „funktionieren“ und das Unternehmen erfolgreich wird. Vielleicht hat es der Autor eines Buches genau mit seiner Methode geschafft, ein Unternehmen zu retten oder er hat sogar die Marktführerschaft erreicht. Als Leser sollte man jedoch stets bedenken, dass der Erfolg von Methoden von der Unternehmensgröße, der Organisationsart, der Branche oder anderen Faktoren stark abhängen kann. Zudem sollte man bedenken, dass diese Erfolge der Guru-Autoren oft in der Vergangenheit liegen und sich die Rahmenbedingungen rasant verändern.

Ich bin der Meinung, dass in Büchern viele gute Ideen stecken und jeder Manager für sich hinterfragen sollte, welche Chancen in der Umsetzung liegen (und natürlich auch die Risiken). Allerdings warne ich vor der Verlockung der Einfachheit. Zum Beispiel werden bei Büchern zu MbO (Management by Objectives – Führen mit Zielen) viele Negativauswirkungen von Zielvorgaben gerne ausgeblendet.

Unternehmen in offenen Märkten sind und bleiben komplex!

Im Idealfall beherrschen Manager ein breites Repertoire an Methoden und haben den Mut auch mal Neues vorsichtig auszuprobieren. Hierzu ist sind ein entsprechendes Umfeld (offenen Unternehmenskultur) und zeitliche Freiräume erforderlich, was in vielen Unternehmen leider nicht gegeben ist.

Umgang mit Menschen

Der Versuch der Selbstreflektion von Ursache und Wirkung in der Interaktion mit Menschen ist ebenfalls ein komplexes Themengebiet. Auch hier versuchen Autoren vereinfachte Handlungsweisen anzubieten. Leider erfolgt dies zu oft nach dem Motto „Verhalte Dich nach Rezept XY, dann werden Dir Deine Mitarbeiter alle Deine Träume erfüllen“. Allein bei Amazon findet man 2.751 Bücher zum Thema Mitarbeiterführung im Bereich Management (insgesamt sind es über 12.714 Bücher).

Wenn das Miteinander von Menschen so einfach wäre, würde nicht jede dritte Ehe in Deutschland vor dem Scheidungsrichter enden. Dabei müssen bei einer Ehe „nur“ zwei Menschen (plus Kinder und Verwandte) miteinander auskommen. In Unternehmen haben wir es in der Regel mit mehreren Menschen zu tun, die nicht durch die Liebe zueinander gefunden haben. Nicht selten finden wir deshalb in diesem Zusammengang das Zitat von Antoine de Saint-Exupery „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

Sehr oft ärgern mich Bücher zum Thema Motivation, da oft davon ausgegangen wird, dass Mitarbeiter ihre Arbeit grundsätzlich ungern ausüben. Meiner Erfahrung nach scheitern die meisten Versuche der aktiven Motivierung, da die Mitarbeiter jegliche Versuche der Manipulation bewusst oder unbewusst durchschauen und dagegen arbeiten. Ein Gedanke der mir persönlich gefällt lautet übrigens: „Ein Manager hat u.a. die Aufgabe Demotivatoren zu ermitteln und zu beseitigen“ (Danke an Herrn Reinhard K. Sprenger für sein Werk „Mythos Motivation“).

Fazit

Kein Autor (Ex-Erfolgsmanager, Blogger, Kolumnist, …) hat die Weisheit mit Löffeln gefressen. Was in einem amerikanisch geführten Konzern genial funktioniert hat, könnte bei einem deutschen Mittelständler zu Misserfolg führen. Allerdings kann es kaum schaden, den Horizont durch Bücher (auch mit Erfolgsstories aus den USA), Seminare und die Teilnahme ab Veranstaltungen zum Erfahrungsaustausch zu erweitern.

Letztlich möchte ich mit diesem Artikel nur davor warnen, die eierlegende Wollmilchsau in einer aktuell angepriesenen Managementmethode (Six-Sigma, TPS, Kaizen, MbO, Lean-Management, …) zu suchen. Sollten Sie dennoch fündig werden: mailen Sie mir 🙂

Anmerkung: Dieser Artikel ist in der Ausgabe November 2012 der Industrial Quality erschienen.