Der QMB ist tot – es lebe der QMB

Der Panikwahnsinn um die ISO 9001:2015

Beauftragter der obersten LeitungIch habe von QMBs gehört, dass diese durch die neue ISO 9001:2015 um ihren Job fürchten. Warum diese Furcht unbegründet ist, lesen Sie hier:

Es ist korrekt, dass die geplante ISO 9001:2015 nicht mehr explizit einen „Beauftragten der obersten Leitung“ fordert. Stattdessen wird gefordert, dass „die Verantwortlichkeiten und Befugnisse für relevante Rollen zugewiesen und innerhalb der Organisation bekannt gemacht und verstanden werden“.

Zusätzlich zu dieser allgemeinen Forderung werden 5 Themen genannt, zu denen nach ISO 9001:2015 konkrete Verantwortungen und Befugnisse zu regeln sind, um sicherzustellen,

  1. dass das QM-System die Anforderungen der Norm erfüllt,
  2. dass die Prozesse die beabsichtigten Ergebnissen liefern,
  3. dass über die Leistung des QM-Systems, über Verbesserungsmöglichkeiten und über die Notwendigkeit von Änderungen oder Innovation an die oberste Leitung berichtet wird,
  4. dass die Kundenorientierung innerhalb der Organisation gefördert wird und
  5. dass die Integrität des QM-Systems bei Änderungen aufrechterhalten bleibt.

Insbesondere bei den Themen 1 und 5 erkenne ich klassische Aufgaben für den QMB, wie der „Beauftragte der obersten Leitung“ in der Regel genannt wird. Es wird also künftig kein QMB arbeitslos!

Bei den Themen 2, 3 und 4 sehe ich mit der Normrevision die Chance, die Aufgaben dahin zu delegieren, wo sie hingehören. Je nach Organisationsverständnis können hier Abteilungsleitungen, Prozessverantwortliche oder Einzelpersonen benannt werden. Im Folgenden werde ich diese Personen als „Führungskräfte“ bezeichnen.

Wenn eine Umverteilung der Aufgaben umgesetzt wird, wird hierdurch das QM-System auf breitere Füße gestellt. Nicht mehr der „Herr Meyer, unser QMB“ entwickelt das QM-System, sondern die Führungskräfte. Der QMB könnte ggf. eine interne Berater-, Koordinations- oder Coaching-Rolle übernehmen (Leiter Organisationsentwicklung).

Im ersten Moment werden viele Führungskräfte nicht „hurra“ schreien und fragen, was sie denn noch alles tun sollen.

Ich habe keine Zeit“ ist gleichbedeutend mit „Etwas anderes ist bzw. erscheint wichtiger“!

In vielen Organisationen erfährt die Führungsarbeit nicht die erforderliche Priorität und Anerkennung. So bleibt wenig Zeit für wichtige Aufgaben wie Kontrolle, Feedback, Konfliktlösung, Unterweisung, Analyse von Kennzahlen, Prozessoptimierung, Beseitigung von Demotivatoren und Teamförderung.

Sollte sich also ein Unternehmen dafür entscheiden, die oben genannten Normthemen 2, 3 und 4 auf die Führungskräfte zu verteilen, muss auch entsprechend Zeit zur Verfügung gestellt werden und die Führungskräfte sind angemessen zu qualifizieren.

Ich sehe bei der Verteilung der Normthemen auf mehrere Personen folgende Chancen:

  1. Das QM-System wird von mehreren Schultern getragen und verliert seinen abstrakten Charakter.
  2. Führungskräfte erhalten die erforderlichen Ressourcen (Zeit, Qualifikation, Budgets, …), um wichtigen Führungsaufgaben gerecht zu werden.
  3. Die Mitarbeiter nehmen das Feedback und somit die Wertschätzung der Führungskräfte wahr, was zu zielgerichteter Zusammenarbeit in einem motivierten Umfeld führt.

Mit Rücksichtnahme auf weitere Führungsaufgaben (u.a. aus anderen Managementsystemnormen wie ISO 14001 oder OHSAS 18001 / ISO 45001 oder ISO 50001 …) müssen sich Führungskräfte ohnehin darauf einstellen, wie sie ihre Aufgaben mit dem Tagesgeschäft, diversen Meetings und 150 E-Mails pro Tag in Balance bringen.

Organisationen tun gut daran, diese Themen aktiv anzugehen, um tragfähige Lösungen zu erarbeiten, von denen Führungskräfte und Mitarbeiter profitieren. Mittel- bis langfristig wird dann auch die Organisation davon profitieren.