Der QMB, den es nicht gibt

So ziemlich jedes Unternehmen, dass nach ISO 9001 zertifiziert ist, hat einen sogenannten QMB (Qualitätsmanagement Beauftragten). Obwohl dieser Begriff in der Norm nicht auftaucht, hat er sich eingebürgert (z.B. werden Seminare „Ausbildung zum QM-Beauftragten“ angeboten).

In der ISO 9001:2008 gibt es den „Beauftragten der obersten Leitung“ (Kapitel 5.5.2),

  • der Mitglied der Leitung sein muss,
  • das QM-System aufrecht erhalten soll,
  • die oberste Leitung informiert und
  • das Qualitätsbewusstsein in der Organisation fördert.

Nach meinem Verständnis ist der Geschäftsführer stets der oberste QMB. Teilaufgaben (z.B. Dokumentationspflege, Auditplanung, …) delegiert er an Mitarbeiter mit entsprechender Qualifikation und den erforderlichen Befugnissen.

In der Praxis gibt es leider Geschäftsführer, die ihr eigenes Managementsystem nicht erklären könnten („Das macht unser QMB Herr xy„). Bei einigen Unternehmen findet der QMB kein Gehör bei der obersten Leitung („Verschonen Sie mich mit dem QM-Quatsch„).

Vielleicht liegt es daran, das Qualitätsmanagement für viele Führungskräfte immer noch ein Buch mit sieben Siegeln ist oder QM immer noch mit QS („Messen tun die in der Produktion„) verwechselt wird. Dabei ist der QMB in der Regel jemand, der das Unternehmen hervorragend kennt. Er hat alle Abläufe für das Handbuch beschrieben und hinterfragt diese regelmäßig (interne Audits).

Empfehlungen an Geschäftsführer:

  • Setzen Sie sich regelmäßig (monatlich!) mit ihrem QMB an einen Tisch (Review).
  • Füttern Sie ihren QMB mit ZDF (Zahlen, Daten, Fakten).
  • Diskutieren Sie mit ihm über Visionen und Ziele.

Haben Sie Vertrauen und nehmen Sie ihn ernst!

Sollten Sie das nicht können, dann haben Sie den falschen Mitarbeiter zum QMB ernannt!

Denken Sie ggf. mal über ein QM-Team nach. Ein Kunde von mir hat ein QM-Team erfolgreich eingeführt. Nur der Zertifizierer hat etwas irritiert reagiert, da es dort keinen QMB gibt 🙂 .